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Wand Alsfeldschule

1904 -  2007

Mehr als hundert Jahre Schule im Alsfeld

Wir hören Kinderlachen, plätscherndes Wasser und erblicken näherkommend durch Erlengebüsch am noch richtig großen Alsbach Mädchen und Jungen beim Spiel. Bekleidet mit ärmellosen Kitteln aus grobem Leinen und barfuß bespritzen sich die Mädchen untereinander.

Die Jungen, ihre Kittel bis zur Hüfte hochgerafft, stehen im Bach und versuchen, mit kleinen hölzernen Speeren Fische aufzuspießen. Andere Jungen fangen Frösche. Größere Kinder schöpfen Wasser in große tönerne Krüge und tragen diese zu einfachen Gehöften oberhalb des Baches.Wir schreiben das Jahr 600 n. Christus und sehen eine kleine Ansiedlung fränkischer Wehrbauern, ansässig hier seit dem Ende der Völkerwanderung. Ihre Kinder kennen noch keine Schule. Lebenstüchtig gemacht werden sie durch Übernahme tradierter Lebens- und Verhaltensweisen Erwachsener. Rechnen, Schreiben und Lesen brauchten diese Kinder noch nicht und es sollte noch sehr lange dauern, bis diese elementaren Kenntnisse allen Kindern vermittelt werden konnten.


Erst 1.300 Jahre später entstanden auf uraltem Siedlungsraum im Alsfeld, den Erfordernissen der Zeit gehorchend, Schulgebäude für die immer differenziertere Unterrichtung der Kinder hier am Ort. Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war gekennzeichnet vom ständigen Wachsen der Berg- und Hüttenindustrie, ergänzt um technisch hochwertigen Maschinen- und Anlagenbau. Mit dem Beginn der Kohleförderung auf den Zechen Hugo und Sterkrade stellte sich für die Industrie das Problem der Unterbringung einer ständig wachsenden Zahl von Arbeitskräften und deren Familien.
So entstand 1904, errichtet von der Gutehoffnungshütte, die Siedlung am Dunkelschlag auch "Kolonie" genannt. Sie wurde in Nachbarschaft zu bereits länger ansässigen Kleinbauern und Hüttenarbeitern zur neuen Heimat für viele zugezogene Arbeiterfamilien. Generationen von Kindern aus dieser bis heute weitgehend unverändert gebliebenen Wohnsiedlung sollten in den folgenden 100 Jahren ihre schulische Ausbildung im Alsfeld erfahren. Auch das übrige Alsfeld verlor durch seine zunehmende Siedlungsverdichtung seinen ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Charakter mehr und mehr. Eine immer größer werdende Anzahl von Kindern war genötigt, da es im Alsfeld keine Schule gab, Schulen in der Nachbarschaft zu besuchen. Lange Schulwege zu Fuß bei jedem Wetter, Verkehrsmittel und Schülerfahrkarten gab es ja noch nicht, gehörten zum Alltag der damaligen Schüler, die in der Alleeschule, der Josefschule und der Melanchthonschule (ehemalige Kronprinzenschule) unterrichtet wurden.


Veranlasst auch durch Bitten aus der Bevölkerung beschloss die Sterkrader Gemeindevertretung im Jahr 1903, im Alsfeld eine Schule zu bauen und so einem immer sichtbarer werdenden Missstand abzuhelfen. Nach dem Erwerb eines geeigneten Grundstücks von der Witwe Brinkmann wurde mit dem Bau einer katholischen Volksschule begonnen, deren erster Bauabschnitt schon 1904 vollendet werden konnte.In vier Klassenräumen begannen ein Schulleiter und drei weitere Lehrkräfte insgesamt 214 Kinder zu unterrichten, was uns heute als nahezu unmöglich erscheinen mag. Die großen Klassenstärken lassen, da es offensichtlich funktionierte, auf ein sehr diszipliniertes Schülerverhalten schließen.
Mit der Errichtung der katholischen Schule war jedoch nur ein Teil des Problems angegangen worden. Die ständig anwachsende Zahl evangelischer Kinder musste, behördlicher Vorgaben entsprechend, an einer eigenen Schule (Konfessionsschulen waren damals obligatorisch) unterrichtet werden. So begann die Gemeinde im Jahr 1906 mit dem Bau der evangelischen Forsthofschule, die nach Vollendung des ersten Bauabschnitts 1907 mit mehr als 100 Schülern ihren Betrieb aufnahm.
Ein anhaltender Bevölkerungszuwachs sorgte für ein permanentes Ansteigen der Schülerzahlen beider Schulen mit daraus resultierenden Raum- und Organisationsproblemen in der Folgezeit.Hinauszublicken über die räumliche Enge des Alsfelds, was sonst noch geschah in jenem denkwürdigen Jahr 1904, ist sicher auch von Interesse:

  Das von Konrad Agahd 1903 veranlasste Deutsche Kinderschutzgesetz, Verbot von Kinderarbeit, trat in Kraft.
  Salvatore Dali wurde geboren.
  Puccinis Oper "Madame Butterfly" erlebte die Uraufführung.
  In St. Louis/USA fanden Olympische Spiele und eine Weltausstellung statt.
  Verbot des "Verhandelns" italienischer Kinder an französische Glashütten.
  In Deutschland wurde das Sicherheitszündholz eingeführt.
  Jörgen Peter Müller propagiert sein System, 15 Minuten täglich zur Körperertüchtigung zu turnen, im Volksmund später "Müllern" genannt.


Dass verstärkte Bemühungen um Kinderschutz und sportliches Tun in das Jahr der Aufnahme des Schulbetriebs im Alsfeld fallen, zeigt aber, wie Wandel und Fortschritt den Beginn des 20. Jahrhunderts prägten.


Wie schon erwähnt, hielt der Zuzug zu beiden Schulen des Alsfelds unvermindert an. Für das Jahr 1908 notieren die Chroniken 272 Kinder an der Alsfeldschule und 150 Kinder, die die Forsthofschule besuchen. Ein schon geplanter Anbau zur Erweiterung der Forsthofschule musste nun umgehend realisiert werden. Großzügig ausgelegt und 1909 abgeschlossen, bot der neue Gebäudetrakt noch Platz für eine Lehrküche in der die Alsfelder Mädchen, aber auch Schülerinnen anderer Schulen der Abschlussklassen hauswirtschaftlich unterrichtet werden konnten.

Nicht hoch genug zu bewerten war, dass in dieser Lehrküche bedürftigen Kindern eine warme Mahlzeit angeboten wurde.Ein für die damalige Zeit ungewöhnlicher Luxus war die Einrichtung eines Duschbades für Schüler in der Alsfeldschule, was nicht überall auf uneingeschränkte Zustimmung stieß. Besonders die katholische Geistlichkeit sah in dieser Einrichtung ernste Gefahren für das kindliche Seelenheil. Mit der Zeit sollte sich auch eine derartige Einstellung wandeln.
Die Frage, was junge Menschen in der Kaiserzeit mitnahmen an Rüstzeug für ihr späteres Leben, was sie dafür in der Schule vermittelt bekamen, ist sicher nicht immer vorurteilsfrei zu beschreiben und kann nur im zeitlichen Kontext gesehen werden. Neben fachspezifischer Unterrichtung auch heute noch gültiger Bildungsinhalte wurde der Schule die Aufgabe auferlegt, treu zur Monarchie stehende nationalbewusste und folgsame kleine Untertanen zu erziehen. Große Gedenktage aus der Gründerzeit des Kaiserreichs, große Siege in den Reichseinigungskriegen, Kaisers Geburtstag wie auch die übrige preußisch-deutsche Vergangenheit gaben jährlich Anlass zu pompösen Feiern auch in den Schulen im Alsfeld.
Im Gegensatz dazu stand, und das machte schon damals einen wichtigen Teil des Schulalltags aus, das rührende Bemühen der Lehrerschaft, den Kindern in den "Pausen von der Arbeit" Spaß und Kurzweil zu verschaffen. Die Schulchronik der Forsthofschule vermerkt im Jahr 1908, dass die großen Freiflächen beider Schulen für gleichzeitig stattfindende unterschiedliche Ballspiele mit großem Spaß genutzt wurden. Fußballspiel mit einem gespendeten Ball erfreute sich großer Beliebtheit bei den Knaben.
Nach Einrichtung eines Schulgartens in den Jahren 1910/11 konnte der Naturkundeunterricht durch die Beobachtung von Pflanzen im Wandel der Jahreszeiten wirksam unterstützt werden.

Der Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 störte die friedliche Idylle des Schulalltags zunächst nur wenig, sieht man von der Euphorie der Erwachsenen anfangs ab, die möglicherweise auch die Kinder erfasste. Veränderungen im Kollegium, bedingt durch Einberufungen zum Militärdienst oder Freiwilligenmeldung, blieben Randerscheinungen ohne größere Bedeutung.
Am 29. September 1915 fand Lehrer Krämer von der Forsthofschule den Tod an der Front und mit dieser Nachricht lernten auch die Kinder im Alsfeld die traurige Realität des Krieges kennen. Die folgenden Kriegsjahre mit dem Hungerwinter von 1917, dem Zusammenbruch von 1918 und dem Neubeginn mit den Nachkriegswirren der Jahre 1919/20 beeinträchtigten den Schulbetrieb phasenweise erheblich.
Dem Engagement der Lehrkräfte war es zu verdanken, dass die Kinder jener Zeit dennoch eine befriedigende schulische Ausbildung erhielten. Vom Januar 1923 bis zum Juni 1924 waren im Rahmen der sog. Ruhrbesetzung belgische Truppen in Sterkrade stationiert, was sich wiederum störend auf Schule und Mobilität auswirkte. Erst nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise und Hyperinflation in Deutschland, die besonders kleinbürgerliche Existenzen ruinierten, normalisierte sich der Schulbetrieb wieder.
Weitgehend konstante Schülerzahlen von 340 Schülern an der Alsfeldschule und 170 Schülern an der Forsthofschule in den Folgejahren zeigten, dass der Bevölkerungszuwachs zum Stillstand gekommen war.
Für die Kinder im Alsfeld eröffneten sich mit der Inbetriebnahme des Sommerbades im Alsbachtal und der Sportanlage im Volkspark im Jahr 1927 neue Möglichkeiten für Sportunterricht und Freizeitvergnügen. Das dem Sommerbad angeschlossene Kinderheilbad wurde besonders für ansässige chronisch kranke Kinder dankbar angenommen.
Nach Jahren scheinbarer Ruhe in der Weimarer Republik bedeutete das Jahr 1933 mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten für beide Schulen eine Zäsur auf dem Weg in eine Entwicklung, deren Ende sich kaum jemand vorzustellen vermochte. Gesellschaftliche Gleichstellung, Ausschaltung Andersdenkender, Arisierung der Kollegien, Krieg, Bombenkrieg, Evakuierung ganzer Klassenverbände und Schulen in vermeintliche sichere Gebiete und am Ende der totale Zusammenbruch wurden zu den prägenden Elementen der Jahre bis Mai 1945.Politischem Druck folgend, waren beide Konfessionsschulen am 01. April 1939 zu einer Gemeinschaftsschule fusioniert worden, die dem ideologischen Begriff von "Deutscher Schule" im Nationalsozialismus entsprach. Das Vorhandensein zweier Schulleiter führte zu dem befristeten Kuriosum, die vereinigte Schule in zwei getrennten Zügen, d.h. Alsfeld I und Alsfeld II, zu leiten. In 12 Klassen wurden von 12 Lehrkräften insgesamt 523 Kinder unterrichtet.Schwere Schäden durch Bombentreffer 1943/44 an beiden Schulen führten zu immer größeren Beeinträchtigungen des Schulbetriebs für die Kinder, welche sich noch in Oberhausen und nicht in sog. KLV-Lagern befanden (Kinderlandverschickung). Am 04.April 1944 belegten erst die Wehrmacht und in der Folge paramilitärische Verbände die Schulgebäude. Im Dezember 1944 endet die handschriftliche Schulchronik.
Was hätte sie auch noch weiter vermerken sollen? Sollte sie berichten vom empfundenen Grauen, dem "Abenteuerspiel" der wenigen hier verbliebenen Schulkinder in den kurzen Ruhepausen zwischen den Bombenangriffen, vom Durchstöbern zerstörter Häuser, vom "Sammeln" der Bomben- und Granatsplitter, vom täglichen Kampf ums Überleben.
Willi Ronden, ein Schüler der Alsfeldschule - Einschulungsjahrgang 1937 - soll hier kurz, aber wohl repräsentativ für andere Schüler seiner Altersklasse berichten, wie Kinder die letzten Kriegsjahre erlebten:
"Schon 1941, als der Krieg für uns Kinder im Alsfeld noch eine sehr ferne Bedrohung war, wurde den Schulen angeboten, die Erziehung und Unterrichtung in ländliche Regionen zu verlagern. Diese als "Kinderlandverschickung" bezeichneten Aktionen waren vorerst noch vom Entscheid der Eltern abhängig. Wir waren im 3. Schuljahr, als sich ca. 90 % meiner Klasse mit dem Klassenlehrer nach Großkarlowitz in Böhmen begab. Andere Klassenverbände jedoch verblieben zunächst komplett an den Schulen im Alsfeld.
Zusammen mit Schülern anderer Oberhausener Schulen erhielten wir in Böhmen den üblichen Unterricht. In der Freizeit, die wir noch als echtes Abenteuer empfanden, wurden wir vormilitärisch erzogen (Geländespiele und Schießübungen).
Hochdekorierte Soldaten, die nach Verwundungen ihren Genesungsurlaub bei uns verbrachten, berichteten von ihren Heldentaten und begeisterten uns für den Krieg. Wir konnten gar nicht schnell genug erwachsen werden, um uns auch als Soldat zu bewähren. Die ganze Erziehung zielte darauf ab, den Ansprüchen des Führers gerecht zu werden. 
Mit den anderen Schülern aus Oberhausen wurden wir 1943 in einem Ort namens Portasch an der slowakischen Grenze untergebracht, um nur wenige Monate später erneut verlegt zu werden und zwar nach Bila-Althammer. Obwohl wir dort sicher waren vor Bomben, holte mich meine Oma zurück nach Oberhausen.
Mit 13 Jahren musste ich dann kurz hinter der holländischen Grenze noch Schützengräben ausheben und Panzersperren errichten. Da mir ein Entlassungszeugnis fehlte, musste ich nach Kriegsende noch bis März 1946 die Alsfeldschule besuchen.
Von Sammelplätzen in Prag und Wien per Bahn, beschossen von Tieffliegern, teilweise  über lange Strecken zu Fuß, nur unzureichend ernährt, kurzfristig festgehalten von amerikanischen Truppen, erreichten schließlich bis Ende Mai 1945 alle Kinder unserer Schule, darunter auch meine spätere Frau, wieder Oberhausen. Als wir die stark zerstörte Stadt und unsere beschädigten Schulen sahen, konnten wir uns nicht vorstellen, jemals wieder normal zu leben."Die handschriftliche Chronik der Nachkriegsjahre detailgetreu und akribisch geführt von Hauptlehrer Nehler beschreibt den schwierigen Neuanfang. Im August 1945 ordnete die englische Militärbehörde die Wiederaufnahme des Unterrichts zunächst nur für die Klassen 1-4 an. In stark beschädigten, verwahrlosten und ausgeplünderten Schulgebäuden fehlten Dächer und der Unterricht begann auf äußerst provisorische Weise. Zusammengesuchte Möbel aus Trümmern anderer Schulen wurden zum Inventar von insgesamt vier benutzbar gemachten Klassenräumen.
Schon am 25. August 1945 wurde die Wiedereinführung von Bekenntnisschulen verkündet, ein zusätzliches Problem wegen der Raumnot. Der Unterricht in ungeheizten Räumen mit notdürftig abgedichteten Fenstern, die Militärregierung bestand auf regelmäßigem Schulbetrieb, nur unterbrochen von der einsetzenden "Schulspeisung", gleichermaßen kaum erträglich für Kinder und Lehrer, prägten den Neubeginn. Reparaturen am Dach und in den Räumen, Neuverglasung der Fenster, Wiederbepflanzung des Schulgartens und eine langsame Normalisierung des täglichen Lebens erwähnt die Chronik für die Jahre 1946 - 1948.
In Junglehrer Emil Brendicke, selbst ehemaliger Schüler der Alsfeldschule und zurückgekehrt aus russischer Kriegsgefangenschaft, der seinen Dienst am 19. Mai 1947 antrat, fand das Kollegium eine dringend benötigte Verstärkung.
Die Währungsreform 1948 und die Gründung der Bundesrepublik Deutschland einschließlich der Bundesländer wurden zu den Fundamenten für einen geordneten Wiederaufbau. Infrastrukturen für einen geregelten Schulbetrieb, die Versorgung der Schulen mit Lehrkräften und der Beginn einer wirtschaftlichen Gesundung und Aufbruchstimmung, von der Nachkriegsgeneration als Wirtschaftswunder empfunden, ermöglichten in den 50er Jahren den lang erhofften Schritt zurück in die Normalität.
Neben dem Wiederaufbau war auch das Problem der Integration von Flüchtlingen aus den ehemals deutschen Ostgebieten weitgehend gelungen. Die Kinder des Alsfelds, immer offen für etwas Neues, zeigten keine Berührungsängste und nahmen sehr schnell Mitschüler anderer Mentalitäten in ihre Klassenverbände und Freundeskreise auf. Schulfeste und Martinszüge begründeten noch heute beliebte Traditionen.Sterkrades neues Hallenbad, dessen Inbetriebnahme im März 1955 erfolgte, bevölkerten auch bald und mit viel Spaß die Schüler aus dem Alsfeld. Klassenfahrten an den Niederrhein, zu den Wasserburgen Westfalens und Radtouren in die nähere Umgebung als Höhepunkte eines Schuljahres sorgten für Kurzweil und wurden zu bleibenden Erinnerungen für die Schulkinder.
Erneute Siedlungsverdichtung und der daraus resultierende Anstieg der Schülerzahlen ließen schon 1957 erkennen, dass die alten Schulgebäude bald nicht mehr den Anforderungen genügen würden. Im gleichen Jahr wurde die Leitungsposition der Alsfeldschule von einer Hauptlehrer- in eine Rektorstelle umgewandelt. So schien die alte Schule nun endlich erwachsen geworden zu sein. Eine großzügige Ausstattung mit Lehrmitteln in den Jahren 1958/59, Bundesjugendspiele und die erfolgreiche Integration der Eltern in Klassen- und Schulpflegschaften erleichterten und bereicherten den Schulalltag der Kinder.
Aus der Pauk- und Drillschule des frühen 20. Jahrhunderts war nun endgültig ein Ort unbeschwerten Lernens und Erlebens geworden.
1959 konnte Lehrer Wilhelm Schäfer von der Alsfeldschule , allseits bekannt und sehr beliebt, mit Schülern und Eltern sein 40jähriges Dienstjubiläum feiern. Im gleichen Jahr veranstalteten erstmals Alsfeld- und Forsthofschule gemeinsam einen Martinszug. 1960 nahmen mehr als 1000 Kinder daran teil. Nun wurde endgültig offenkundig, dass die alten Schulgebäude dem Bedarf nicht mehr genügten. Die Stadtverwaltung offerierte im November 1960 Pläne für einen großzügig ausgelegten Neubau für beide Schulen mit Turnhalle, Lehrschwimmbecken, Lehrküche, Mehrzweckraum, Werkraum, Pausenhalle und Hausmeisterwohnung. Mit dem Bau auf der Basis eines Entwurfs des Architekten Riege sollte im Frühjahr 1961 begonnen werden. Ein lang gehegter Traum würde nun, wenn auch mit erheblicher Zeitverzögerung, wie sich noch zeigen sollte, in Erfüllung gehen. Unstimmigkeiten hinsichtlich der Planung waren ursächlich dafür, dass der erste Spatenstich, vorgenommen von der unvergessenen Oberbürgermeisterin Frau Luise Albertz, erst am 27. Mai 1963 erfolgen konnte. Darbietungen der Schüler beider Schulen sowie die Festreden der Vertreter von Verwaltung, Schulamt, der Geistlichkeit beider Konfessionen und des Schulleiters der Alsfeldschule Hubert Reiss, der im Namen der Lehrerschaft dem Rat der Stadt seinen Dank aussprach, machten diesen Tag zu einem Ereignis für das ganze Alsfeld.
Schnell war die Lärmbelästigung der Bautätigkeit vergessen, als eineinhalb Jahre nach Baubeginn zunächst der Neubau der Alsfeldschule bezogen werde konnte. Die Forsthofschule wurde bis Ostern 1965 im Altbau der Alsfeldschule untergebracht, um dann endlich auch ihren Neubautrakt zu beziehen.
Das moderne und mit allen Annehmlichkeiten ausgestattete Schulzentrum ließ die damaligen Schüler sehr schnell ihre alten Schulgebäude vergessen. Die Älteren jedoch werden den Abriss ihrer Schulen, die das bauliche Antlitz im Alsfeld über fast 70 Jahre mitgeprägt hatten, sicher mit etwas Wehmut begleitet haben.
Nach Abschluss der Bauarbeiten und der offiziellen Schlüsselübergabe am 17. Dezember 1965 im Rahmen einer Feierstunde nahmen Schüler und Lehrkräfte ihre neue Schule nun uneingeschränkt in Besitz.
Kurzschuljahre von nur jeweils 9 Monaten Dauer, bedingt durch die Verlegung des Schuljahrsbeginns auf den Herbst, waren die organisatorisch zu bewältigenden Probleme der Schuljahre 1966 und 1967. Das am Ende dieser Periode neu eingeführte 9. Schuljahr wurde von Eltern und Schülern begrüßt. Die Neuorganisation des Schulwesens im Jahr 1968 mit der Einführung der Hauptschule bedeutete auch für das Alsfeld, dass sich aus beiden Volksschulen heraus eine solche bildete. Nun gab es im Schulzentrum Alsfeld zwei konfessionelle Grundschulen und eine Hauptschule.

 

1968 – 2004

Die alten Schulen, neu ausgerichtet auf die schulische Erziehung nur noch der Klassen 1 – 4, sahen in dieser Verkleinerung die Chance einer noch intensiveren Arbeit mit den Kindern. Doch schon im Schuljahr 1968/69 litt besonders die Forsthofschule unter einem eklatanten Lehrermangel. Mit 212 Kindern in nur 5 Klassen waren erhebliche Unterrichtsausfälle über einen längeren Zeitraum zu verkraften.
Als Nachfolger des beliebten Schulleiters Voßkamp übernahm Friedrich Kämpgen 1968 die Leitung der Forsthofschule.
Schüler beider Alsfelder Grundschulen schauten 1969 sehr interessiert zum Mond, ohne Neil Armstrong, den ersten Menschen auf dem Mond, sehen zu können. Das Miterleben am Fernsehgerät jedoch hat wohl manchen Alsfelder Jungen davon träumen lassen, selbst einmal Astronaut zu werden.
Im Jahr 1970 übernahm Frau Schaudinn die Leitung der Alsfeldschule und konnte sich über 71 Neuanmeldungen für das Schuljahr 1970/71 freuen. Jahre später sollte sich allerdings zeigen, dass die Einschulung der sog. geburtenschwachen Jahrgänge und der Wegzug von Familien in die attraktiveren städtischen Randgebiete zu einer fühlbaren Abnahme der Schülerzahlen führen sollten.
Es gab in diesen Jahren aber auch Erfreuliches -besonders für die sportinteressierten Kinder- im Alsfeld zu vermerken. Die olympischen Spiele in München, leider getrübt durch das Attentat auf die israelische Mannschaft und besonders die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land ließen die kleinen Herzen höher schlagen. Junge "Müllers" und "Beckenbauers" schossen wie Pilze aus dem Alsfelder Boden, was den in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schule befindlichen Fußballverein "Glück-Auf-Sterkrade" von allen Nachwuchssorgen befreite.
Bei allem Jubel vergaßen die Kinder im Alsfeld jedoch nicht, dass jenseits ihrer behüteten Welt vielfach Armut und Hunger den kindlichen Alltag prägten. Mit Spenden und Aktivitäten für das Hilfswerk Andheri wurden Kinder in Indien unterstützt.

1975/76 erfolgte die Einführung der Fünf-Tage-Woche, wogegen es zunächst große Bedenken der Schulpflegschaft gab.
Die Einführung von Silentien sollte bei der Erledigung der Hausaufgaben besonders bei der immer größer werdenden Anzahl von Gastarbeiter- und Migrantenkindern helfen. Eine stärkere Einbindung der Eltern in schulische Belange förderte ab 1978 das neue Schulmitwirkungsgesetz.
Vom gleichen Jahr datiert die Einführung von Zeugnissen ohne Noten für die ersten beiden Schuljahre. Zeugnisse in der Form von Gutachten, den Eltern anlässlich persönlicher Gespräche übergeben, wurden überwiegend positiv aufgenommen.
1980 übernahm Frau Göring die Leitung der Forsthofschule mit dem Anspruch, den Wandel in Gesellschaft und Schule positiv zu begleiten und Veränderungen als Herausforderung zu begreifen.
Der Anteil ausländischer Kinder mit fehlenden Kenntnissen der deutschen Sprache hatte an der Alsfeldschule 30 % erreicht und stellte hinsichtlich der Unterrichtsgestaltung eine große Herausforderung dar, die es zu meistern galt.
Grund- und Hauptschule Alsfeld konnten 1981 mit Darbietungen der Kinder beider Schulen das 75jährige Bestehen feiern und nur ein knappes Jahr später beging die Forsthofschule ihr 75jähriges Jubiläum auf ähnlich festliche Weise.
In schwierigen Zeiten mit wachsenden Herausforderungen bedarf die Schule der Unterstützung durch Eltern und Freunde. Aus dieser Erkenntnis heraus konstituierte sich Ende 1982 der Förderverein der Alsfeldschule mit der Aufgabe, besondere schulische Aktivitäten durch persönliche Mitarbeit und finanzielle Zuwendungen zu unterstützen.
Das Schuljahr 1982/83 verzeichnete für die Alsfeldschule nur noch 169 Schüler. Aus sieben Nationen stammend, doch in der Mehrzahl Kinder türkischer Eltern, wurden 62 ausländische Kinder unterrichtet.
Auch an der Forsthofschule erschwerten sinkende Schülerzahlen und das Anwachsen des Anteils ausländischer Kinder die Organisation des Unterrichts.
Überraschend verließ Frau Schaudinn 1983 die Alsfeldschule, da ihr die Leitung der Hauptschule Sterkrade-Mitte übertragen wurde. Erst 1984, die Schule war kommissarisch von Frau Schmidt-Küper für ein Jahr geleitet worden, übernahm Werner Grollmann die Schulleitung.
Am 14.12.1984 verstarb Pfarrer Franz Schroer von St. Pius, über viele Jahre als Religionslehrer an der Alsfeldschule und bei Kindern wie Lehrkräften gleichermaßen beliebt und geschätzt.
1986, das Jahr der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (Ukraine) ließ Kinder wie Erwachsene schmerzlich erkennen, welche grenzüberschreitenden Gefahren auftreten können, wenn der Mensch glaubt, das technisch Machbare auch kontrolliert zu beherrschen. Tagelang verbrachten die Kinder ihre Pausen in den Klassenräumen, der Sand im Sandkasten der Schule musste ausgetauscht werden und es wurde zur Vorsicht beim Verzehr möglicherweise strahlenbelasteter Früchte und Gemüsesorten gewarnt.

Der plötzliche Tod der Schulleiterin der Forsthofschule, Liesel Göring, im Jahr 1987 wurde von Kindern, Eltern und Lehrkräften mit Erschütterung und großer Trauer zur Kenntnis genommen. Frau Berger leitete vorübergehend die Schule und ein Jahr später wurde Frau Aretz Schulleiterin der Forsthofschule.
Zwischenzeitlich war der Versuch, beide Konfessionsschulen zu einer Gemeinschaftsgrundschule zu vereinen, wegen der geringen Wahlbeteiligung der Eltern gescheitert.

Der Fall der Berliner Mauer im Spätherbst 1989, die 28 Jahre Deutschland geteilt hatte, ging auch an den Schulen nicht emotionslos vorüber. 1990 mit dem abermaligen Gewinn der Fußballmeisterschaft und der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten im Oktober machte auch die Kinder im Alsfeld zu frühen Zeitzeugen eines historischen Großereignisses. Sicher fehlte, bedingt durch das Alter der Kinder, das richtige Ermessen und Einordnen dessen, was sich in den Jahren 1989 und 1990 um sie herum tat. Der Faszination jedoch, die den normalen Schulbetrieb nicht nur überlagerte sondern sicher auch bereicherte, werden sie sich kaum haben entziehen können.

Der im ehemaligen Jugoslawien ausgebrochene Bürgerkrieg machte viele kroatische, serbische und vor allem albanische Familien zu Flüchtlingen, die befristet das Ende des Krieges in Deutschland abwarten wollten. Einer Welle großer Hilfsbereitschaft auch seitens der Kinder und Eltern im Alsfeld folgte die nicht immer leichte Integration der neuen ausländischen Kinder in den Schulbetrieb.
Als im Januar 1992 noch 11 Roma-Kinder in der Alsfeldschule aufgenommen wurden, erlangten Gebärdensprache und Gestikulieren mit Händen und Füßen einen hohen Reifegrad. Unabdinglich wurde ,,Sonderunterricht“ an beiden Schulen, der in der Forsthofschule im Schuljahr 1992/93 zur Einrichtung einer internationalen Vorbereitungsklasse mit 19 Schülern führte.

Am 15. Juli 1992 verließ Werner Grollmann aus gesundheitlichen Gründen die Alsfeldschule, die fortan von Herrn Multhaup geleitet werden sollte.
Aufkommender Ausländerhass und Rechtsradikalismus im Deutschland des Jahres 1993, verbunden mit Gewaltexzessen, forderten energischen Widerstand auch der Kinder und Jugendlichen. In gemeinsamer Aktion der Kinder aller drei Schulen im Alsfeld demonstrierten ca. 450 Schülerinnen und Schüler mit Spruchbändern und Bildern eingereiht in Lichterketten für ein friedliches Miteinander und gegen jede Gewalt. Auch in den Klassen wurden im Unterricht Völkerverständigung und Freundschaft Themen von zentraler Bedeutung.

Die kleinen Kicker spielten im gleichen Jahr erstmals in einem Fußballturnier um den Wanderpokal der Alsfeldschule und begründeten damit eine noch heute gültige Tradition.
Schon 1995 verließ Herr Muthaup die Alsfeldschule, da er in Essen eine Schulleiterstelle angeboten bekam.
Georg Reuschenbach, als junger Lehrer 1991 zur Alsfeldschule gekommen, übernahm am 23. Oktober 1995 die Leitung der Schule. Pädagoge aus Berufung, begeisterter Fußballer und Karnevalist aus Überzeugung, sollte er fortan einer lehrenden Damenriege und erwartungsvollen Kinderschar vorstehen.
Im Februar 1996 fand dann auch folgerichtig in der Turnhalle eine erste große Karnevalssitzung für die Kinder aller Klassen statt. Einmal in eine andere Rolle zu schlüpfen und sich außerhalb der normalen Regeln zu bewegen, wirkt besonders auf Kinder befreiend. Gute Gründe also für die Schulleitung ein fröhliches Karnevalsfest mit bunten Kostümen und Pappnasen zu feiern und jährlich wieder zu organisieren.

In der Schülerbücherei mit 400 Büchern, auch 1996 eingerichtet, betreut und unterstützt von Eltern und Förderverein, sahen die Lehrkräfte eines ihrer Hauptanliegen, wissend um die große Bedeutung des Lesens für Sprachverständnis und Ausdrucksweise, endlich erfüllt. Unter der Bezeichnung "Verlässliche Grundschule von acht bis eins" wurde zur Entlastung berufstätiger Eltern ein Betreuungsangebot eingeführt, welches sich hinsichtlich Betreuungsdauer und Intensität erfreulich gut entwickelte. Der im Dezember 1997 erstmals abgehaltene Alsfelder Nikolausmarkt wurde ein großer Erfolg und fand als schulisches Fest der Freude und Harmonie viel Anklang nicht nur im Alsfeld.

Trotz der vielen freudigen Ereignisse war dennoch unübersehbar, dass die drastisch fallenden Schülerzahlen besonders an der Forsthofschule einen dringenden Handlungsbedarf erforderten. Nachdem im Februar 1998 nur noch 11 Kinder in der Forsthofschule angemeldet wurden, konnte einer Zusammenlegung beider Schulen sachorientiert nicht mehr widersprochen werden. Die Schulverwaltung begründete in einer Informationsveranstaltung am 27. April 1998 ihren Vorschlag, die beiden Konfessionsschulen im Alsfeld aufzulösen bei gleichzeitiger Gründung einer Gemeinschaftsgrundschule. Obschon anfangs durchaus kontrovers diskutiert, votierten schließlich Eltern, Schulkollegien und Vertreter beider Kirchen für eine Gemeinschaftsgrundschule als Unterrichtsort für Kinder aller Konfessionen und Glaubensrichtungen. Herr Reuschenbach, bereits Schulleiter der katholischen Grundschule, wurde beauftragt, die neu zu gründende Schule zu leiten. Frau Aretz, Leiterin der Forsthofschule, wechselte als Schulleiterin in die Nachbarstadt Essen.

In den Sommerferien wurden die baulichen Veränderungen zur räumlichen Verbindung beider Schulen abgeschlossen, womit alle Voraussetzungen für den offiziellen Gründungsakt im neuen Schuljahr gegeben waren. Der Festakt am 21. August 1998 begann mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche und fand seine Fortsetzung mit der Teilnahme der Kinder, Eltern und offiziellen Festgäste in der Turnhalle der Schule. In den Festansprachen wurde noch einmal deutlich, mit wieviel Kooperationsbereitschaft und Verständnis alle Entscheidungsträger den Zusammenlegungsprozess begleitet hatten. Ein auf dem Schulhof aus diesem Anlass gepflanzter Baum, Symbol für Wachsen und Gedeihen der neuen Schule und seither prächtig gediehen, macht deutlich, was Menschen zum Wohle ihrer Kinder vermögen.
Mit 255 Kindern, 13 Lehrkräften und 3 Lehramtsanwärterinnen begann der Unterricht in der neuen Gemeinschaft erfolgreich und ohne Reibungspunkte. So effektiv wie die Arbeit im neu gebildeten Kollegium wurde auch das Miteinander und Füreinander der Kinder organisiert.
Besondere Aktivitäten wie Martinszüge, Schulfeste, Karnevalsfeiern, Projektwochen und sportliche Wettkämpfe sorgen dafür, dass die lebendige, interessante und spannende Schulzeit von den Kindern immer wieder neu erfahren werden kann.
Noch viel wäre zu berichten von Ausflügen, gemeinsamen Theaterbesuchen, Fahrten in Jugendherbergen, dem Besuch der Fußball-AG bei Bayer Leverkusen und, und, und ... .
Heute ist die 100jährige Schule, in der feste Bräuche, Rituale und Traditionen ebenso ihren Platz haben wie die Verpflichtung zu Toleranz und einem friedlichen Miteinander, in der Moderne des Jahres 2004 angekommen und freut sich auf eine Zukunft mit neuen Herausforderungen.

All denen sei abschließend gedankt, die das Schiff "Schule im Alsfeld" über 100 Jahre erfolgreich zum Wohle der Kinder und den Wirren der Zeit trotzend auf Kurs gehalten haben.

Helmut Geisen